Kurz erklärt:
Ein Hygieneplan ist für Tattoostudios Pflicht. Grundlage ist § 36 Infektionsschutzgesetz, die Details regeln die Bundesländer in eigenen Hygieneverordnungen. Der Plan hält schriftlich fest, wer welche Tätigkeit wie ausführt — von der Händedesinfektion über die Instrumentenaufbereitung bis zur Dokumentation. Er muss auf das eigene Studio zugeschnitten, regelmäßig kontrolliert und die Kontrolle dokumentiert sein.
Diese Seite fasst zusammen, was in einen Hygieneplan gehört, was das Gesundheitsamt prüft und wo sich die Länder unterscheiden. Alle Angaben sind an amtliche Quellen verlinkt, damit du sie selbst nachprüfen kannst.
Beim Tätowieren wird die Haut notwendigerweise verletzt, es tritt Blut oder Serum aus. Damit ist die Übertragung von Krankheitserregern wie Hepatitis B, Hepatitis C oder HIV grundsätzlich möglich — in beide Richtungen, zum Kunden und zu dir.
Deshalb unterliegen Tätowier- und Piercingbetriebe nach § 36 Infektionsschutzgesetz der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt und müssen ihre innerbetrieblichen Verfahrensweisen zur Infektionshygiene in einem Hygieneplan festlegen.
Dazu kommt deine Rolle als Arbeitgeberin oder Arbeitgeber: Nach dem Arbeitsschutzgesetz musst du eine Gefährdungsbeurteilung durchführen, darauf aufbauend Schutzmaßnahmen festlegen und deine Beschäftigten darüber informieren.
Die folgende Gliederung folgt den Anforderungen, die die Hamburger Gesundheitsbehörde zu § 2 Abs. 5 der dortigen Hygiene-Verordnung veröffentlicht hat. Sie deckt die Punkte ab, die auch andere Länder verlangen — die Feinheiten musst du mit deiner Landesverordnung abgleichen.
Wer arbeitet wie — und was muss vorher passieren.
Was wird womit, wie oft und von wem gereinigt oder desinfiziert.
Wie, wann und durch wen jedes Instrument aufbereitet wird.
Wie das Studio baulich und in der Ausstattung beschaffen sein muss.
Der Ablauf am Menschen, Schritt für Schritt.
Was vor dem Eingriff geklärt und wie lange es aufbewahrt wird.
Wie der Plan lebendig gehalten wird — hier scheitern die meisten Prüfungen.
Hygienevorschriften sind Ländersache. Eine bundesweite Vorlage allein reicht deshalb nicht — sie kann Anforderungen enthalten, die bei dir nicht gelten, und solche weglassen, die bei dir Pflicht sind.
Stand der Recherche: 19. August 2026. Nachfolgend die Länder, deren Verordnung wir an einer amtlichen Quelle geprüft haben. Fehlt dein Bundesland, wende dich an dein Gesundheitsamt — es nennt dir die geltende Fassung.
Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten (Hygiene-Verordnung – BayHygV)
Stand: 11. August 1987 (GVBl. S. 291), BayRS 2126-1-1-G
§ 1 nennt Tätowieren ausdrücklich als erfasste Tätigkeit. § 2 verpflichtet zur Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Hygiene, § 2 Abs. 2 zu Hautdesinfektion, Händedesinfektion und Einmalhandschuhen je Person, § 2 Abs. 3 zur Sterilität aller Gegenstände, die in oder unter die Haut eingebracht werden. § 3 regelt die Beschaffenheit der Arbeitsräume.
BayHygV im Volltext — Bayerische Staatskanzlei, gesetze-bayern.deInfektionshygieneverordnung (InfHygV HE)
Stand: 18. März 2003, zuletzt geändert am 7. November 2025
Hessen geht weiter als die meisten Länder: § 2 Abs. 10 Satz 1 verbietet das berufs- oder gewerbsmäßige Tätowieren und Piercen für alle Personen ohne die erforderliche Hygiene-Sachkunde. Wer sie nicht anderweitig nachweisen kann, braucht nach § 2 Abs. 10 Satz 2 Nr. 2 in der Regel den Sachkundenachweis Hygiene 2 — einen 40-Stunden-Kurs, der auch die Instrumentenaufbereitung abdeckt.
Infektionshygiene-Verordnung Hessen — Hessisches Ministerium für Familie, Senioren, Sport, Gesundheit und PflegeHamburgische Verordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten
Stand: 1988, mit Aktualisierungen aus dem Jahr 2005
§ 2 Abs. 5 verpflichtet ausdrücklich zur Erstellung eines Hygieneplans mit Betriebsanweisung. Die Gesundheitsbehörde nennt in ihrem Merkblatt zusätzlich konkrete Vorgaben: getrennter Warte- und Verkaufsraum, separater Raum für Instrumentenaufbereitung und Lagerung, jährliche schriftlich dokumentierte Mitarbeiterunterweisung und eine Kontrolle des Hygieneplans etwa alle zwei Jahre.
Hygieneregeln für Tätowier- und Piercingbetriebe (5. Auflage, 03/2017) — Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Gesundheit und VerbraucherschutzVerordnung zur Verhütung übertragbarer Krankheiten (Hygiene-Verordnung NRW)
Stand: Fassung über das Landesrecht NRW abrufbar
Erfasst berufs- und gewerbsmäßige Tätigkeiten, bei denen Instrumente eingesetzt werden, die die Haut oder Schleimhaut von Kundinnen und Kunden verletzen sollen oder verletzen können. Die Verordnung regelt Reinigung, Desinfektion und Sterilisation; für jeden Betrieb ist ein Hygieneplan aufzustellen. Betriebe unterliegen der infektionshygienischen Überwachung durch das Gesundheitsamt.
Hygiene-Verordnung — Maßnahmen zur Verhütung übertragbarer Krankheiten — Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (Broschüre)Niedersächsische Hygieneverordnung
Stand: Merkblatt des NLGA
Konkrete Raumanforderungen: Der Arbeitsplatz muss baulich oder funktionell vom Wartebereich getrennt sein. Im Arbeitsbereich sind ein Handwaschbecken mit fließendem Wasser, Seifenspender, Desinfektionsmittelspender, Einmalpapierhandtücher und Abfallbehälter vorgeschrieben.
Merkblatt zur Hygieneverordnung — Zielgruppe und Anforderungen — Niedersächsisches Landesgesundheitsamt (NLGA)Hygieneverordnung Baden-Württemberg
Stand: 11. Juni 2002, erlassen auf Grundlage des § 17 IfSG
Verpflichtet alle Personen, die berufs- oder gewerbsmäßig Tätigkeiten am Menschen ausüben, bei denen durch Verletzung der Haut Krankheitserreger über Blut übertragen werden können, zur sorgfältigen Beachtung der anerkannten Hygieneregeln. Tätowieren und Piercen sind ausdrücklich erfasst.
Merkblatt Gesundheitsamt zu Hygieneanforderungen — Landratsamt Karlsruhe, GesundheitsamtDie Überwachung erfolgt nach § 36 Infektionsschutzgesetz. Erfahrungsgemäß scheitern Prüfungen selten am fehlenden Plan — sondern daran, dass er nicht gelebt und die laufende Dokumentation nicht geführt wird.
In Bayern kommt beim Eröffnen eines Studios hinzu, dass dem Gesundheitsamt ein Grundriss vorzulegen ist, aus dem hervorgeht, in welchen Räumlichkeiten welche Arbeiten verrichtet werden.
Diese Seite gibt den Stand unserer Recherche vom 19. August 2026 wieder und ersetzt keine Rechtsberatung. Landesrecht ändert sich; maßgeblich ist immer die aktuell geltende Fassung der Verordnung deines Bundeslandes und die Auskunft deines zuständigen Gesundheitsamts. Wir haben zu jeder Angabe die amtliche Quelle verlinkt — bitte prüfe sie vor der Umsetzung.
Schriftliche Einwilligungen solltest du mindestens zehn Jahre aufbewahren — strukturiert und auffindbar, nicht als Zettelstapel. Lead Ink führt Kundendaten, Termine und Kommunikation in einem System, damit du im Ernstfall nachweisen kannst, was wann vereinbart wurde.